Martina Seifert, Ein Schneemann für Max, Kurzgeschichte

Ein Schneemann für Max
Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Wie jedes Jahr freut sich Max riesig auf das Fest. Aber dieses Mal ist etwas anders: Es will und will einfach nicht schneien. Jeden Morgen springt Max hoffnungsvoll aus seinem Bett und läuft zum Fenster, um zu sehen, ob die Erde endlich weiß ist.

Doch immer wieder lacht ihm nur der knorrige alte Apfelbaum entgegen, auf dessen kahlen Ästen kein bisschen Schnee zu sehen ist. Dabei wünscht sich Max nichts sehnlicher, als endlich einen dicken Schneemann zu bauen. Er würde sogar auf Weihnachtsgeschenke verzichten, fing es nur endlich an zu schneien.

Max weiß nicht, dass der Weihnachtsmann ihn schon eine ganze Weile hoch oben aus den Wolken beobachtet. Er kann es nicht länger mit ansehen, mit welch traurigen Augen der kleine Junge jeden Morgen in die Küche läuft, um seine Mutter zu fragen, wann es endlich schneien wird. Deshalb beschließt er, ein ernstes Wörtchen mit den Wolken zu reden.

Die Winterwolken hören dem Weihnachtsmann aufmerksam zu, als er ihnen von dem Wunsch des kleinen Max unten auf der Erde erzählt. Sie kraulen sich den weichen, wolligen Bart, lächeln weise und versprechen, so schnell wie möglich für Schnee zu sorgen. Wie sie das anstellen wollen, verraten sie dem Weihnachtsmann nicht. Aber der gute alte Mann vertraut den Winterwolken und macht sich zufrieden wieder an die Vorbereitung des Weihnachtsfestes.         
                         
Noch am selben Abend versammeln sich alle Wolken hoch oben am Himmel, dort, wo es eisig kalt ist. Die winzigen kleinen Wassertröpfchen, die in den Wolken wohnen, zittern und frieren fürchterlich. Eins nach dem anderen zieht sich schnell die schönsten Wintersachen an. Jedes wählt ein anderes glitzerndes Mäntelchen, sodass keins dem anderen gleicht. Dann nehmen sich alle an die Hand und wirbeln solange im Kreis, bis ihnen ganz schwindelig wird. Schließlich lösen sich ihre Hände und sie fallen als Schneeflocken herab zur Erde. Immer mehr Schneeflocken reihen sich in den Tanz ein – eine schöner als die andere. Sanft landen sie auf der Erde und weben einen dicken weißen Teppich, der silbern im Mondlicht glänzt.

Als Max am nächsten Morgen erwacht und aus dem Fenster schaut, stößt er einen Freudenschrei aus. Alles ist zugeschneit! Sogar der kahle Apfelbaum trägt ein weißes Kleid. Max kann es kaum glauben. Schnell zieht er sich an und läuft in die Küche, um Mama die große Neuigkeit zu berichten.

   "Ich weiß, Maxi, ich weiß," antwortet die Mutter schmunzelnd und verspricht: „Heute Nachmittag, wenn Papa nach Hause kommt, werden wir alle zusammen einen Schneemann bauen.“

Als der Vater endlich da ist, soll er schnell in seine dicken Winterstiefel schlüpfen. Max will keine Minute mehr länger warten. Lachend ziehen sich die Eltern an und laufen mit Max in den Garten.

Drei dicke Schneebälle müssen gerollt und aufeinander gestapelt werden. Mama holt ein paar große Knöpfe und eine Mohrrübe aus dem Haus, während Max im Schnee nach Kieselsteinen sucht. Die Knöpfe setzt Max dem Schneemann auf den dicken Bauch, die Mohrrübe ziert als lange Nase das Gesicht und die Kieselsteine zaubern ein freundliches Lächeln hinein. Papa zieht noch eine alte Pudelmütze aus seinem Mantel und - fertig ist der Schneemann!

Glücklich nehmen Mama und Papa Max an die Hand und tanzen gemeinsam um den Schneemann. Jetzt kann es endlich Weihnachten werden!

Der Weihnachtsmann, der oben aus den Wolken zuschaut, freut sich, denn morgen ist endlich Weihnachten, das ohne Schneemann für den kleinen Max kein echtes Weihnachten geworden wäre.

© Martina Seifert, 2007